Blaudruck ein altes Kunsthandwerk ist lebendig.
Blaudruck. Blaudruck hat eine nach Jahrtausenden zählende Tradition und war zahlreichen Volksstämmen bereits vor Beginn der Zeitrechnung bekannt.
Aus ägyptischen Königsgräbern wurden Kleidungsstücke geborgen, die mit dem gleichen Blaudruckverfahren, wie sie heute noch verwendet werden, gefärbt waren
Schon aus dem 6. und 7. Jahrhundert ist uns das Drucken mit Bildstöcken, den so genannten Druckmodeln, bekannt.
Von Indien kommend, ist dieses Handwerk seit dem 17. Jahrhundert in Mitteleuropa ausgeübt worden. Obwohl die Technik streng gehütet wurde, kam sie von Belgien
und Holland aus nach Deutschland. 1689 wurde der Blaudruck von dem Augsburger Färber Jeremias Neuhofer erstmals als Gestaltungsmittel angewandt. Auch in der
Oberlausitz fand der Blaudruck Verbreitung und wurde u.a. auch in den Spreewaldtrachten verwendet.
Bei der Herstellung von Blaudrucken wird der Stoff "Baumwolle und Leinen, früher auch Flachs " zunächst gereinigt. Dann bereitet der Drucker zum Abdecken der
Muster eine breiige Masse, Papp genant, die er in einen großen Kasten, das Chassis, füllt. Insofern kann man den Namen Blaudruck nicht wörtlich nehmen, denn es
handelt sich um Blaufärben eines vorher mit einer Schutzbeize, der Reservage, bedruckten Stoffes
Mit einer Streichbürste wird der Papp gleichmässig
im Chassis verteilt, die Model in den Papp getippt, und sodann überträgt der Drucker das Muster auf den Stoff.
Der Papp war lange das Geheimnis der
Blaudrucker. Der Lehrling in früherer Zeit musste "bei ihrer Seligkeit" versprechen, die Rezeptur in seiner Zusammensetzung nicht zu verraten. Heimlich trug
mancher Geselle die Rezeptur in sein Wanderbüchlein ein, wo es in einem heißt: "Für den besten weißen Druck nehme man vier Pfund Ton, zwei Pfund Blaustein,
ein Pfund Grünspan, ein Achtel Pfund Weinsteinsäure und ein halbes Pfund Gummiarabikum." Natürlich hat jeder Drucker noch seine kleinen Geheimnisse der wirklichen
Zusammensetzung, die vom Vater zum Sohn oder zur Tochter weitergegeben werden.
Nun muss der mit dem Papp bedruckte Stoff trocknen.
Der Papp schützt die bedruckten Stoffteile beim nachfolgenden Färben vor dem Eindringen der Farbe.
So entsteht ein weißes Muster auf blauen Grund. Während früher zum Färben die in Thüringen wachsende Waidpflanze als Färbemittel verwendet wurde, Waid war
ein begehrter Handelsartikel in diesen Jahrhunderten, setzte man später das aus Asien eingeführte Indigoblau ein.
In 2,50 m tiefen Bottichen, den Küpen,
befindet sich die Färbeflüssigkeit, darüber sind Eisenreifen angebracht, in die das bedruckte Tuch gehängt wird. Mehrmals, oft 8 bis 10 mal wird der Stoff aus der
Küpe herausgezogen und wieder eingetaucht; durch Bewegung wird verhindert, dass er verklebt und gewährleistet, das die Färbeflüssigkeit überall Zugang hat.
Kommt der Stoff erstmalig aus der Küpe, ist er zum Erstaunen des Laien grün. Ein alter Färberspruch sagt: " Was gut grünt, das tut gut blauen".
An der Luft erfolgt der Übergang zur blauen Farbe.
Anschließend wird der Papp durch ein Bad in einem großen Bottich entfernt, nach mehrmaligem folgendem Spülen erscheint das Dekor strahlend weiß auf blauen Grund.
Nur an wenigen Stellen in Deutschland werden die begehrten Blaudrucke noch hergestellt, der hohe manuelle Arbeitsaufwand und die große Sachkenntnis, die verlangt
wird, schreckt zurück.
Die Pulsnitzer Werkstatt, deren Erzeugnisse wir Ihnen anbieten, wurde als vermutlich älteste Blaudruckwerkstatt 1633 in Steinau an der Oder
/ Schlesien als Schwarzfärberei gegründet; seit 1720 werden durch sie ununterbrochen Blaudrucke hergestellt. 1946 fand sie in Pulsnitz eine neue Heimstadt.
Bei originalen Blaudrucken sind manchmal geringe Druck- und Farbunregelmäßigkeiten möglich, sie unterstreichen den besonderen Reiz der handgefertigten Erzeugnisse.
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